|
Über mich
Ich bin Claudia, verheiratet mit Alexander, wir haben
drei kleine Söhne und
wohnen in Berlin Prenzlauer Berg.
Und ich bin Puppenmacherin.
Den
Puppenjungen Pelle
habe ich meinem ersten Kind zu seinem ersten
Geburtstag genäht. Wie genau ich eigentlich darauf
gekommen bin, dieses Puppenkind Pelle zu taufen und wie
genau ich dann einige Zeit später darauf kam, das virtuelle Fenster zu meiner
Puppenwerkstatt Pelles Puppenstube zu nennen,
weiß ich gar nicht mehr.
Auf jeden Fall ist jenes
Puppenkind Pelle Namensgeber
von Pelles Puppenstube:

Ich liebe Puppen, das war schon immer so. Vor allem
Stoffpuppen. Mir geht das Herz auf vor Freude, wenn mir
irgendwo eine schöne, warmherzig anmutende Puppe über
den Weg läuft: egal, ob in einem Schaufenster, unter
einem Kinderarm oder in einem Bilderbuch.
Durch meine
eigenen Kinder ist meine Begeisterung für die Puppe als
Kinderspielzeug noch viel größer geworden. Meiner
Meinung nach ist die Puppe mehr als ein bloßes
Spielzeug: Sie ist Spiel- und Weggefährte. Dabei ist es
egal ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen
handelt: gerade kleine Kinder spielen gern das nach, was
sie in ihrem kleinen, überschaubaren Alltag so erleben.
Es geht also keinesfalls darum, beispielsweise aus einem
kleinen Jungen eine
Puppenmutti (was für ein
Wort!) zumachen. Vielmehr geht es darum, einem Kind
einen Gefährten für sein alltägliches Spiel an die Hand
zu geben. Oft eignet sich dazu eine Puppe besser – als
eine Art kleines Abbild des Menschen – als ein Stofftier
oder irgendein Fantasiewesen.
In den letzten Jahren habe ich viele Beobachtungen
machen dürfen, im Spiel meiner und auch anderer Kinder
mit (ihren) Puppen. Es ist so spannend, in welche Rollen
Puppe, je nach Alter der spielenden Kinder, schlüpfen
können! Dabei überrascht es nicht, dass ein Zweijähriger ganz
anders mit Puppen spielt als eine Zehnjährige, dass
Jungen – meist – ganz anders als Mädchen mit ihren
Puppen spielen.
Meine Jungs
haben beispielsweise ihre Puppen Pelle und Kalle, ihre
Freunde,
wie sie sie nennen, nie umsorgt, umgezogen oder
gefüttert. Statt dessen erfinden sie Abenteuer für sie,
tragen sie auf unserem Bügelbrett (als Krankenliege) ins
nächste Krankenhaus, verkleiden sie als König oder
kleine Ritter. So können sie ihre eigenen Sehnsüchte und
Wünsche, aber auch Erlebnisse und Sorgen, wunderbar im
Spiel zum Ausdruck bringen und verarbeiten.

Immer wieder stolpere ich in den letzten Jahren darüber,
dass so viele Menschen heute meinen, ein acht-,
neunjähriges Kind sei doch eigentlich schon zu alt für
eine Puppe. Oh nein – was für ein Irrtum! Jedes Alter
hat seine ganz eigene Spielkomplexität und -intensität.
Und wenn man die Kinder nur einfach Kinder sein lässt
und sie eben nicht wie kleine Erwachsene behandelt und
ausstattet, kann man beobachten, dass beispielsweise
auch Elfjährige noch sehr intensiv mit
Puppen spielen. Oft fertigen Kinder dieser Altersgruppe
dann auch selbst sehr gern Puppenkleidung oder gar eine Puppe
an.

Matti, Puppe meines jüngsten Sohnes .
Meine ganze
Kindheit hindurch waren Puppen mein
liebstes Spielzeug. Etwa mit
fünf, sechs Jahren, habe ich angefangen, mir selbst
erste Püppchen zu fertigen: aus Wollstrümpfen und
Strumpfhosen, Wolle und Stoffresten.
Ich hatte
sehr viele Puppen damals, und ihre Namen und Charaktere
sind mir bis heute vertraut: Da war etwa die
braunhaarige Annette, eine
Stehpuppe
aus Plastik, die mir immer hochnäsig und irgendwie
unnahbar vorkam. Auch meine Babypuppen Olli und Isabelle
waren aus Plastik und daher seltsam starr. Lieber mochte
ich jene Puppen, die zumindest einen weichen Stoffbauch
hatten, wie Lisa, mein Schildkröt-Schlummerle
mit hellblauen Klimperaugen, und die schöne Natalie.
Als
ich etwa sieben Jahre alt war, bekam meine Freundin
Andrea ihre Puppe Heidi geschenkt.
Heidi war ein sanftes Puppenkind ganz aus
Stoff, ihre Hanfhaare waren seitlich am Kopf zu Schnecken gedreht. Eine Frau aus
unserer Nachbarschaft hatte Heidi genäht. Heidi strahlte solch eine Sanftheit aus, sie stellte für mich alle anderen Puppen in den Schatten.
So lag ich meinen Eltern ausdauernd und
schließlich erfolgreich damit in den Ohren , dass auch ich dringend eine
Heidi-Puppe bräuchte. Die freundliche Puppennäherin aus der Nachbarschaft machte
sich also ans Werk - so kam ich zu meiner ersten Stoffpuppe, meiner wunderbaren,
weichen Emily.
Es sind vor allem diese anmutige Wärme, die ich an Stoffpuppen so sehr schätze. Anders als Puppen aus
Plastik, liegen Stoffpuppen wunderbar weich und anschmiegsam im Arm.
Emily
hatte hellblaue, aufgemalte Augen und dicke Zöpfe aus
hellem Hanf. Sobald ich an Emily denke, habe ich den
Hanfgeruch ihrer Haare in der Nase. Auf dem Bild unten
kann man sehen, dass Emilys Haarfülle im Laufe der Jahre
sehr gelitten hat.
Emily
Mit der Puppe
Emily erwachte in mir der Wunsch, selbst
richtige Puppen zu nähen.
So habe ich mit zehn oder elf Jahren meine erste
Stoffpuppe genäht. Diese Stoffpuppen meiner Jugendzeit
waren meinen heutigen Puppenkindern schon recht ähnlich.
Seinerzeit traute ich mir jedoch die Gestaltung des
Gesichts, dem für mich wichtigsten Teil einer Puppe,
noch nicht zu. Daher verwandte ich für die Gesichter
bemalte, stoffbezogene Plastikmasken aus dem örtlichen
Handarbeitsladen, wenngleich mir eigentlich bereits
damals die aufgestickten Gesichtchen der Waldorfpuppen
viel, viel besser gefielen.
Von allen Puppen sind mir Waldorfpuppen mit ihren
feinen Gesichtchen die liebsten. Und so nähe ich heute nur noch
Puppenkinder und Schmuser mit einfachen, aufgestickten
Gesichtern, eben Stoffpuppen nach Waldorfart.
Als
Teenager besuchte ich mit meinen Freundinnen
verschiedene Handarbeitskurse. Dort habe ich viel
technisches Know-How erwerben können. In dieser Zeit
nähte ich auch meine vorerst letzten Puppenkinder: eine
ganz Kleines für meine Oma, mit kurzen braunen Haaren
und rotem Kleidchen und eine etwas Größeres mit langen
Zöpfen für meine Cousine Birgit.
Dann später, in meiner ersten
Schwangerschaft, kehrte auch meine Liebe zum Puppennähen
zurück. Und seit dem habe ich eigentlich nicht mehr
damit aufgehört. Es ist für ich immer noch, nach all den
Jahren, eine unbeschreibliche Freude, plötzlich, während
des Schaffensprozesses, in ein feines, gerade
gefertigtes Gesichtchen zu schauen. Ich will es nicht
übertreiben, doch habe ich tatsächlich das Gefühl, ein
kleines Wesen genäht zu haben, mit eigenem Charakter,
ganz eigenem Charme und lebendiger Ausstrahlung.
Besonders fasziniert mich dabei, dass ich aus einfachen
Materialien wie Wolle und Stoffen etwas anfertige, das
schließlich lebendig wirkt, ein eigenes Wesen hat; eben
einen kleinen Gefährten, an den ein Kind sein Herz
hängen kann.

Pelle, Puppenkind meines Erstgeborenen
Es macht
mich froh und glücklich, mit meinen eigenen Händen
etwas, in meinen Augen, so sinnvolles und feines wie
eben Puppenkinder, fertigen zu können. Diese Tätigkeit
tut mir in jeder Hinsicht gut. Mit Grausen denke ich
heute an die Jahre in meinen Zwanzigern zurück, als
während Studium und
Promotion
die Hauptbeschäftigung meiner Hände das Bedienen der
PC-Tastatur darstellte – was für eine
leere
Zeit!

Kalle, Puppenjunge meines zweiten Sohnes und seit vielen Jahren sein
treuer Begleiter durch die Nacht
Erfreulicherweise bin ich mit meiner großen
Begeisterung für das Handarbeiten nicht allein: Wie schön, dass das
Handarbeiten und Handgearbeitetes in der jüngsten
Vergangenheit eine solche Renaissance erlebt haben!
Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde. Davon zeugen nicht nur die ungezählten
Handarbeitsblogs und -communities im Netz, sondern auch
die rasante Entwicklungen der Plattformen
Dawanda
und
Etsy, die es
seinerzeit, als ich anfing, meine Puppen über das
Internet anzubieten, noch gar nicht gab…
Vieles hat sich seit meinen
Anfängen als selbständiger Puppenmacherin verändert:
nicht nur meine Puppenkinder und die dazugehörigen
Schnittmuster sind
ausgereifter, auch ich habe mich im Laufe der Jahre
weiterentwickelt: unsere Familie ist größer und
meine Kinder sind älter geworden, dadurch wurden auch
meine eigenen Fragen, vor allem an die kindliche
Entwicklung und auch - seufz - ans Leben allgemein, immer komplexer.
Bedingt durch mein erziehungswissenschaftliches Studium
sowie meine Ausbildung zur
Elternberaterin,
vor allem aber genährt durch
mein eigenes, buntes Familienleben sind für mich Themen wie
Kindheit und Familie heute, dabei vor allem die Entschleunigung des
(kindlichen) Alltags regelrechte Herzensthemen geworden.
Kindern ihre Kindheit zu lassen – meiner Meinung nach
ist dieses eines der wichtigsten Anliegen unserer Zeit!
Oder auch, mit etwas weniger
Pathos formuliert, Kindern einfach wieder mehr Zeit
lassen, Zeit schenken, bei allem und jedem.
Ihnen
bequeme und funktionale Klammotten gönnen, nicht enge
Hüfthosen und quadratische Plastiklatschen. Die
Kindheit ist doch die kürzeste Zeit im Leben, warum muss
man da behandelt und bekleidet werden wie ein kleiner,
defizitärere Erwachsener?
Kindern weitegehend
Sorgenfreiheit durch kontrollierte Informationszufuhr
schenken - man muss sich (beispielsweise) als
Kindergartenkind noch nicht mit den Dramen und
Tragödien, die das Leben auf der ganzen Welt bereit
hält, herumschlagen. Wozu soll das gut sein? Erst mit
einer gewissen Reife und inneren Festigkeit sind Kinder
in der Lage, auch mit den weniger schönen Seiten unserer
Welt umzugehen.
Letztlich haben Kinder viele,
viele Jahre lang nur eine Aufgabe: zu spielen. Und
dadurch - in jeder Hinsicht - zu wachsen und zu reifen.
Wir Erwachsenen müssen eigentlich nur dafür Sorge
tragen, dass sie dieser elementaren Aufgabe auch
gewissenhaft nachkommen können...
.
Unverändert groß ist in all diesen
entwicklungsreichen Jahren meine große Zuneigung zu den
Puppenkindern geblieben. Das Anfertigen eines warmen,
weichen Puppenkindes ist mir nach wie vor eine
unbeschreibliche Freude –
empfinde ich es doch mehr denn je als ein elementares,
unersetzliches Spielgut für Kinder aller Altersstufen.
.JPG)

Copyright© 2007– 20011
by Pelles Puppenstube/ Claudia Kohnen
|